Erinnerung

Jeden Tag wurde ich wach, genau um dieselbe Zeit. Draußen war es noch dunkel, vermutlich kalt und windig. Oft hörte ich gegen die Scheiben prasselnde, dicke Regentropfen, auf der Straße in Eile vorbeigehende Menschen mit ihren klackernden Schuhen und schnelle Autos. Alle auf dem Weg zu ihren Arbeitsstellen. Ich hatte Ferien, was für ein Gefühl ! Ich musste das warme Bett nicht verlassen. Das dynamisch vor sich gehende Leben auf der Straße bewegte mich nicht. Im schwachen Licht der kleinen Lampe las ich gemütlich in meinem Buch, bis ich das eine Geräusch hörte. Das für mich sehr wichtige. Das große Backblech krachte gegen die Wand. Das winzige Zimmer, was ich bei meinem Onkel in einem sehr alten Reihenhaus bewohnte, grenzte an seiner Bäckerei. Er hatte noch 2 weitere Zimmer im Haus , die erheblich ruhiger waren, aber der kleine, hellhörige Raum war zu meinem Feriendomizil geworden. Da hielt ich mich am liebsten auf, wenn ich nicht gerade in der Bäckerei auf der Treppe saß und bei der Produktion zusah.

Dieser Krach … Der war nicht irgendeiner, das war nicht ein Blech voller Brötchen. Das wusste ich genau, denn im Betrieb ging alles gleich jeden Tag, Stunde für Stunde. Kurz darauf drängte sich der wunderbare Duft vom Zimt, Zucker, geschmolzener Butter durch die Türspalte und hielt mich nur für Sekunden davon ab, im Pyjama zum Flur zu laufen, schnell die Tür aufzumachen und mir eine kleine Zimtschnecke zu schnappen. Schon huschte ich zurück ins Bett. Wie ein Yogini saß ich im Schneidersitz auf der Bettdecke und schnupperte erstmal an dem frischen, warmen Gebäckstück. Meine Hände wärmten sich langsam und wurden klebrig vom Zucker, obwohl ich meine Finger, gefühlt alle 20 Sekunden, sorgfältig ableckte. Ich biss langsam in die warme Schnecke, erneut versunken in meinem Buch und war glücklich. Einfach nur glücklich.

30 Jahre später muss ich feststellen, ich weiß nicht mal, ob es gut und richtig ist, aber: meine Bedürfnisse haben sich kein bisschen geändert. Am liebsten verbringe ich den Morgen eines besonderen Tages im Bett, mit einer Tasse guten Kaffee und einem Brötchen. Es scheint, in dem weichen und frischen Gebäck wären Mikroteilchen vom Glück gefangen, die nur darauf warten, freigesetzt zu werden.

Der simple Moment, der Duft von Kaffee vermischt mit dem Hefeteigaroma und dieses „nach Belieben im Bett krümeln dürfen“ macht mich glücklich, unbeschwert und dankbar.

Es macht immer noch viel Spaß, inzwischen mit Familienanhang ( insgesamt 5 ) in unserem Ehebett zu essen, sich Witze zu erzählen, die längst keiner mehr lustig findet, weil man die 1000 mal gehört hat oder aus einem bunten, schönen Bilderbuch über fremde Länder und wilde Tiere vorzulesen.

Glück ist immer nur eine kurze Momentaufnahme, vergeht so schnell wie der Duft von Zimtschnecken. Zwischen dem einen Glücksgefühl und dem nächsten, neuen gibt es oft einen langen Weg, den inneren Kampf. Das wichtigste aber ist, daran zu glauben, dass es sich lohnt, die Teilchen des Glücks erneut zu fangen. In einem Stück Lieblingskuchen, in einem sehr wichtigen Film oder Buch, im Alltag und in simplen Sachen .

Dinkel Zimties

12 Stück

Der Teig :

640 Gramm Dinkelmehl

1 Ei

60 Gramm Zucker

1 Prise Salz

250 Gramm lauwarme Milch

40 Gramm Hefe

80 Gramm zimmerwarme Butter

Die Füllung :

40 Gramm Zucker

Zimt

1 Ei

Aus den Zutaten einen süßen Teig herstellen und an einem warmen Ort 30 Minuten gehen lassen.

Nach der Ruhezeit den Backofen vorheizen: 170 Grad / Heißluft .

Den Teig zu einem Rechteck ausrollen ( ca.50 x 30 cm ) und mit dem Ei bestreichen, danach reichlich mit Zucker und Zimt bestreuen.

Du kannst den Teig rollen und genau wie Franzbrötchen vorbereiten : die Rolle in der Mitte schneiden, jede Hälfte wieder in der Mitte schneiden, jedes Mal so lange schneiden bis du passende Größe hast . Dann mit dem Holzlöffel jedes Teilchen in der Mitte drücken, bis kleine Flügel entstehen ( es gibt bestimmt jede Menge Hilfvideos im Netz dazu )

Du kannst den Teig auch umklappen und Quadrate schneiden, wie ich es gemacht habe . Einfach ganz lässig umklappen. Fertige Teile 10 Minuten ruhen lassen und anschließend 20 Minuten backen.

Mit Puderzucker bestreuen.